Lymphgefäßtransplantation

Diese mikrochirurgische Lymphgefäßtransplantation wurde durch Prof. Baumeister im Institut für experimentelle Chirurgie der Ludwig Maximilians Universität entwickelt, 1980 erstmals in die Behandlung eingeführt und seither bei mehr als 350 Patienten angewandt. Klinisch konnten signifikante Verminderungen der Volumina gemessen werden bis hin zur Normalisierung. Bei Armödemen waren die Verminderungen auch nach mehr als 10 Jahren unverändert festzustellen.

Lymphödeme entstehen aufgrund eines Missverhältnisses zwischen dem Anfall der Lymphe und den Möglichkeiten des Abtransportes. Der Anfall der Lymphe wird als lymphatische Last, die Möglichkeit des Abtransportes durch das Lymphsystem als lymphatische Transportkapazität  bezeichnet. Die Kapazität ist abhängig von der Zahl funktionierender Lymphbahnen und Lymphknoten. Eine Unterbrechung des lymphatischen Transportsystems, wie zum Beispiel nach Entfernung von Lymphknotenstationen im Rahmen von Tumoroperationen ist in Europa, vor alleml im Rahmen von  Brustkrebs Erkrankungen die häufigste Ursache. Seltener sind Verletzungen oder angeborene Fehlbildungen hier für eine Ursache.


Lokale Unterbrechungen von Gefäßsystemen wie Arterien werden seit langem in Form von Bypässen erfolgreich behandelt. Mithilfe fortgeschrittener mikrochirurgischer Techniken lassen sich derartige lokale Unterbrechungen auch bei  dem Lymphgefäß-System bewerkstelligen. Werden bei arteriellen Ballpässen zumeist Venensegmente des Patienten verwendet, so können Lymphgefäß-Segmente für die Umgehung von Lymphgefäß Unterbrechungen verwendet werden. Eine wichtige zusätzliche Besonderheit von Lymphgefäß Transplantaten besteht darin, dass Lymphgefäße aktiv pumpende Strukturen darstellen, die diese Funktion auch nach der Entfernung aus dem ursprünglichen Gewebeverband beibehalten.


Diese Methode wurde nach langjährigen experimentellen Voruntersuchungen 1980 erstmals in München in die klinische Praxis eingeführt. Ausgedehnte Untersuchungen, auch von unabhängigen Untersuchern der Radiologie und Nuklearmedizin zeigen signifikante Verbesserungen des Lymph -Abtransportes bis hin zu seiner Normalisierung. Langzeit- Durchgängigkeiten von   mehr als 20 Jahren sind nachgewiesern.

Technik der Lymphgefässtransplantation

Lymphgefäß Transplantate können von der Innenseite des Oberschenkels entnommen werden, da hier eine große Anzahl von Lymphbahnen nebeneinander verläuft. (Abb. A)

(A) Transplantat Entnahme

Bei Unterbrechungen des Lymphgefäß Systems in der Achsel werden Lymphgefäß Transplantate mit Lymphkollektoren  am Oberarm anastomosiert und  jenseits der Engstelle in der Achsel am Hals wiederum mit Lymphkollektoren oder Lymphknoten am Hals verbunden. Damit wird die Problemzone in der Achsel umgangen und die Rekonstruktion innerhalb des Lymphgefäß Systems ermöglicht. So werden die normalen Druckverhältnisse im Lymphsystem respektiert und wegen der Abwesenheit von Blut die Gefahr einer Thrombosierung der Anastomosen vermieden. (Abb. B)

(B) Transplantat bei Arm Lymphödem

Bei einseitigen Beinlymphödeme können Lymphbahnen vom gesunden Bein zum erkrankten Bein geschwenkt werden, sodass nunmehr der Lymphabfluss über die gesunde Gegenseite geführt wird. (Abb. C)

(C) Transplantat bei Bein Lymphödem

Weitere Möglichkeiten ergeben sich bei der Behandlung von Schwellungen im Genitalbereich, bei Lymphbahn Unterbrechungen an anderen Stellen wie zum Beispiel im Kniebereich nach Operationen sowie in seltenen Fällen bei angeborenen lokalen Unterbrechungen des Lymph-Systems.


Voraussetzung ist die Möglichkeit der Entnahme von Lymphgefäßtransplantaten. Dies sollte immer erst nach vorheriger genauer Untersuchung der Eignung der Entnahmemöglichkeit geschehen.


Einen genauen Überblick über die rekonstruktive Lymphgefäß Chirurgie gibt die Monographie: Baumeister: Reconstructive Lymph Vascular Surgery, Springer Verlag 2017.

Literatur (Auswahl)